Rund eineinhalb Jahre ist es her, dass Leonore Gewessler jenen Posten räumen musste, der sie dazu befähigt hatte, ihren ehemaligen Arbeitgeber Global 2000 über sogenannte Förderungen mit Steuergeld zu versorgen.
Am 3.3.2025 wurde die ÖVP-Grünen Koalition nach nur drei Kanzlerwechseln und einer simplen Verdopplung des Staatsdefizits, der Aushebelung von Grundrechten und des Regierens mit Verordnungen, an der Legislative vorbei, von einer Koalition zwischen ÖVP, SPÖ und Neos abgelöst. Gewessler wurde von der Ministerin für Mobilität zur Oppositionspolitikerin.
„Wer aber glaubt, dass ich nicht weiter mitgestalten würde, der irrt!“, so Gewessler, als sie dieser Tage bei einer Pressekonferenz im Schönbrunner Palmenhaus vor Journalisten trat.
Sie habe, so Gewessler, schon Kontakt mit dem aktuellen Verkehrsminister Peter Hanke aufnehmen lassen, um mit diesem über ihren Vorschlag zu sprechen, der Anlass für diese Pressekonferenz gewesen sei.
Menschen sollen mit dem Zug fahren
„Zugfahren muss endlich attraktiver sein, als die Fahrt mit dem Auto“, teilte Gewessler die Grundprämisse mit, die den Plan, den sie nun vorstellen würde, erst notwendig machen würde.
„Wir alle wissen, dass Bahnfahren Klimaschutz ist“, so Gewessler. „Außer mit der Westbahn, dadurch unterstützt man den Kapitalismus und natürlich auch den Klimawandel. Und das sowohl bewusst als auch aktiv“, beeilte sich die ehemalige Ministerin rasch zu ergänzen.
Doch mit den ÖBB zu fahren, das sei ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz, stellte Gewessler nochmals klar, ehe sie das Problem direkt ansprach: „Keiner will mit denen fahren! Auch all die sympathischen Werbespots können das nicht ändern!“
Obwohl man den Ticketkauf aus den Zügen verbannt habe, des kulturell wertvollen Wiener Grants der Schaffner zum Trotz und selbst angesichts immer weiter gestutzter Serviceleistungen, würden Massen an Menschen immer noch lieber mit dem Auto reisen.
Autobahnen sollen zu Wüsten werden
„Damit muss Schluss sein“, so Gewessler und dafür habe sie nun auch den richtigen Hebel gefunden: Anstatt die Bahn zu attraktivieren, müsse man Autofahrer schlicht noch weiter frustrieren!
Dafür schwebe der Grünen-Politikerin ein Konzept vor, das verglichen mit ihrem Wirken als Mobilitätsministerin zwar relativ konservativ, verglichen mit anderen politischen Aktionen jedoch eindeutig als revolutionär einzustufen sei.
„Etwas Eigenlob darf sein“, so Gewessler. Und der Plan der Ministerin kann sich tatsächlich sehen lassen: Als Pilotprojekt soll vorerst die A1 zwischen Wien und Pressbaum zu einer künstlich angelegten Wüste werden.
937.500 Tonnen Sand benötigt
Für dieses erste Pilotprojekt auf 14 Kilometern Länge werden Schätzungen der Grünen bei einer durchschnittlichen Breite von 13,5 Metern pro Fahrtrichtung etwa 400.000 m² Asphalt mindestens 40 Zentimeter hoch mit Sand bedeckt werden müssen.
„Wir bleiben mit erwarteten 937.500 Tonnen sogar deutlich unter einer Million Tonnen“, jubelte Gewessler und verwies darauf, dass die Kosten für den Sand damit bei überschaubaren 37,5 Millionen Euro liegen würden.
„Das muss es uns auf jeden Fall Wert sein!“, so Gewessler. Natürlich sei das aber noch längst nicht alles, denn was wäre eine Wüste ohne Oase? Und das habe nicht nur immersive Gründe, wie die Ministerin a.D. erklärte.
„Es wäre mit unseren Werten nicht vereinbar, wenn Menschen, deren Auto im Sand stecken geblieben ist, insbesondere an sonnigen Tagen, im schlimmsten Fall 7 Kilometer Wüste zu Fuß durchqueren müssten“, erklärt Gewessler.
Oasen als lebensretter
Aus diesem Grund solle alle 3,5 Kilometer eine künstliche Oase angelegt werden, demnach also vorerst drei, sich über beide Fahrtrichtungen erstreckende Oasen. „Wasser, Palmen und Schilf als Lebensretter“, sei das Motto.
Inspiriert durch das Vorzeigeprojekt Gürtelfrische West (einer breiteren Öffentlichkeit als Wiener Gürtelpool bekannt, Anm.) solle der Bereich um das Gewässer, so Gewessler, zu einer Bade- und Erfrischungslandschaft inklusive Bar und Chillout Lounge gestaltet werden.
Ziel sei es, Menschen zwar dezent auf die Vorteile des Reisens mit der Bahn hinzuweisen, ihnen aber dennoch das Leben nicht unnötig schwer zu machen.
„Jeder hat einen Cocktail verdient“, erklärte Gewessler. „Selbst Autofahrer!“
Die Journalistenfragen, ob Autofahrer denn nicht einfach auf Landstraßen ausweichen würden und ob speziell das windige Gebiet zwischen Wien und Pressbaum sowie die Autobahnbrücken, das beste Testgebiet wären, um hunderttausende Tonnen an Sand zu verstreuen, ließ die ehemalige Ministerin nicht gelten.
„Es geht mir darum, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und nicht darüber zu philosophieren, was vielleicht wäre wenn. Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt, bevor unser Planet unbewohnbar werden könnte“, schloss Gewessler, verließ wutentbrannt das Palmenhaus und flüchtete vor weiteren Fragen der Jrounalisten in Richtung Tiergarten.
In einer späteren OTS-Aussendung teilte der Grüne Parlamentsclub mit, dass man derart unerhörtes Verhalten der Presse nicht länger zu dulden bereit sei. Es könne nicht sein, dass die Grüne Bundesvorsitzende so hart angegangen werde, nur weil sie Oppositionspolitikerin, erfolgreiche Frau und blond sei.


