Der letzte Trumpf

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Nachdem weder Steuererhöhungen noch die rasende Inflation, Postenschacher und Überheblichkeit die gewünschte Wirkung, nämlich Liebe für und Vertrauen in die Regierung bewirken konnten, macht sich bei der politischen Elite Ratlosigkeit breit. Die Umfragewerte stagnierten nicht nur, nein all dieser Maßnahmen zum Trotz sind sie immer weiter abgesunken.

„Absolut unverständlich, in den letzten 50 Jahren haben wir gesehen, dass es immer funktioniert hat so zu handeln, wie wir immer gehandelt haben!“, klagt Christian Stocker, seines Zeichens Glatzenträger und abgewählter Vizebürgermeister von Wr. Neustadt. Und er ist mit seinem Frust nicht allein: „Das ist, weil unsere Leute nicht wissen, dass sie unsere Leute sind, weil wir ihnen das nicht ausreichend oft gesagt haben und nicht ausreichend deutlich“, erklärt sich der amtierende SPÖ-Totengräber Andreas Babler die Situation.

Die Verzweiflung ist groß, doch die Rettung naht, denn nun will die absolutistische Neos-Alleinherrscherin Beate Meinl-Reisinger sich selbst und damit auch der ganzen Regierung die Flügel heben, mit einem Plan der kühner und vielversprechender nicht sein könnte.

„Erst habe ich überlegt, jedem Österreicher und jeder Österreicherin eine kostenlose NATO-Mitgliedschaft zu schenken“, sagt Meinl-Reisinger und fährt fort: „Aber das hätte die Staatskasse über die Maßen belastet, weshalb ich einen Plan entwickelt habe, mit dem wir erhebliche Summen einsparen können“.

Ein Denkmal für die Ewigkeit

Und der Plan kann sich sehen lassen: Rund 1,2 Tonnen Gold sollen verarbeitet und in Form gegossen werden, um der Politikerin Meinl-Reisinger im Rahmen dieser Publicity Aktion ein ihrer eigenen Strahlkraft gerecht werdendes Denkmal zu setzen: Eine lebensgroße Statue ihrer selbst; aus purem Gold; in aller Öffentlichkeit ausgestellt.

„Zieht man den aktuellen Goldpreis heran, so liegen die reinen Materialkosten bei gerade einmal 81 Millionen Euro“, berichtet Meinl-Reisinger begeistert. Und: „Verglichen mit einer NATO-Mitgliedschaft für jeden Österreicher und jede Österreicherin entspricht das, zieht man das Medianeinkommen von rund 55.000 Euro heran und nimmt davon 3% Rüstungsausgaben für jeden, einer Ersparnis von mindestens 14,77 Milliarden Euro im ersten Jahr!“

Und auch beim Künstler will man sparen, so soll die Statue nämlich durch einen 3D Drucker direkt vor Ort erstellt werden. Und wo dieser Ort sein soll, das steht auch schon fest.

„Ich habe mir das gut überlegt, das können sie mir glauben“, sagt Meinl-Reisinger und beantwortet außerdem die ungestellte Frage nach dem Sicherheitskonzept: „Natürlich kann man 1,2 Tonnen Gold nicht einfach auf der Straße stehen lassen“, weiß die Neos-Frau. „Deshalb werden wir das neue Wahrzeichen der Stadt rund um die Uhr von zwei Sicherheitskräften bewachen lassen.“

Doch selbst mit den Kosten für die Rund-um-die-Uhr-Bewachung läge man immer noch deutlich unter den Kosten für rund 9 Millionen NATO-Mitgliedschaften, versichert Meinl-Reisinger.

Eine Macherin

„Das Geheimnis effektiver Politik“, so die ehemalige Wiener Landtagsabgeordnete „ist, dass man nicht zu lange überlegt sondern einfach macht. Das ist es, was unser Land jetzt braucht und was mich von allen anderen unterscheidet: Ich bin eine Macherin! Ich habe drei Töchter zur Welt gebracht, eine davon heißt Teenager und es vergeht kein Tag, an dem mir Teenager nicht mindestens ein Kompliment darüber macht, was für eine Tatkraft ich in mir trage!“

Doch beim Aufstellen des goldenen Abbildes ihrer selbst möchte es Meinl-Reisinger selbstverständlich nicht belassen: „Denn was ist die beste PR-Kampagne ohne Interview-Tour? Nichts.“

Geplant, so die Pinke, sei eine 200-tägige Tour durch Österreich, auf der zuvor ausgewählte Bürger den Worten der Ministerin lauschen dürfen sollen. Die Frage nach den Kosten dieser Aktion lässt Meinl-Reisinger nicht gelten: „Demokratie darf kein Preisschild haben“, so die Außenministerin.

Auf Nachfrage gab Meinl-Reisingers Haus nachträglich bekannt, dass die Übernachtungskosten im Rahmen der Image Tour mit rund 90.000 Euro budgetiert wurden. „Ein lächerlich geringer Beitrag für mehr Demokratieverständnis im Land“, so das Büro der Ministerin.

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