Männer unter sich

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Viel Kritik wurde in den letzten Tagen laut, rund um die Causa Ruck.

Die Einordnung: Walter Ruck ist nicht nur ein Freund des Wiener Logenbruders und Bürgermeisters Michael Ludwig sondern auch Präsident der nur aufgrund staatlich verordneten Mitgliedszwangs noch existierenden, von den allermeisten ihrer „Mitglieder“ jedoch im besten Fall als Klotz am Bein empfundenen Wiener Wirtschaftskammer, frönt dem Nepotismus und zieht sich liebend gerne mit anderen Männern in den Keller zurück.

In romantischer Kelleratmosphäre, im Schein der Kerzen, wird Wein konsumiert. Und dann verlagert sich der Fokus auf Zigarren, was harmlos klingt, bis man sich ins Gedächtnis ruft, dass Ruck wörtlich meinte, er könne mit Frauen nicht in den Keller gehen: „Heast, ich will nicht mit einer Frau. Da kann ich nicht in den Weinkeller runtergehen, was ist des?“, war etwa im Falter zu lesen.

Nun ist es in einer liberalen Gesellschaft selbstverständlich jedem selbst überlassen, mit wem er in den Keller gehen möchte, solange der oder die andere auch aus freien Stücken mit in den Keller geht. Befremdlich wirkt das Ruck-Zitat dennoch, nicht seiner Geschlechterpräferenz im Rahmen der Kellererlebnisse wegen – die sei ihm unbenommen – sondern einerseits der proletenhaften Sprache wegen und andererseits da im Rahmen besagter Kellererlebnisse auch Aktivitäten stattfinden sollen, die politischer Natur sind.

Denn ja, so wie in den Logen der Freimaurer (ein Männerbund, in dem nicht Intelligenz oder Fähigkeiten, wie etwa bei Mensa, ausschlaggebend dafür sind, ob man aufgenommen wird, sondern das Geschlecht sowie die Bereitschaft zum Netzwerken respektive Mauscheln) soll auch im Rahmen feucht fröhlicher Abende bei Ruck viel über Politik gesprochen und der eine oder andere Deal, vor den Augen des Souveräns verborgen, geschlossen werden.

Bezahlen dürfen dann – wie immer diejenigen – die nicht nur nicht mitbestimmen durften, sondern vor denen der Entscheidungsprozess auch geheim gehalten wurde.

Ein Spiegel für den Fortschritt

Doch Schluss damit! Der Wiener Bürgermeister hat heute gemeinsam mit Walter Ruck eine Pressekonferenz gehalten, in der sich die beiden nicht nur gegenseitig ihre Zuneigung gestanden, nein es wurden auch Maßnahmen zur Transparenz beschlossen und zeitgleich lang ersehnte Neuerungen für mehr Geschlechtergerechtigkeit bei Rucks Kellertreffen vorgestellt.

So sollen die Kellererlebnisse zwar auch weiterhin nur zwischen Ruck und anderen Männern stattfinden, allerdings in Zukunft vor einem drei mal vier Meter messenden Einwegspiegel, hinter dem sich ein gemütlich eingerichteter Zuschauerraum befinden wird, in dem sich interessierte Frauen aufhalten dürfen.

Für Verpflegung sei in diesem Raum gesorgt, so Ruck: „Heast, da braucht kane durschtig rausgehen, wenn überhaupt, dann kriechen die nach der dritten Flasche raus!“

Michael Ludwig begrüßte die weltoffene Reform und verrät am Rande der Konferenz auch ein kleines Geheimnis. „Ehrlich gesagt, finde ich das schon etwas prickelnd, wenn man weiß, dass man dabei angeschaut wird“, so das Stadtoberhaupt, das versicherte, künftig noch öfter bei Ruck im Keller vorbeikommen zu wollen.

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