„Ich bin nicht Gott, oder?“

kanzler harlekin

Der ehemalige Vizebürgermeister von Wr. Neustadt, Christian Stocker alias Meister Kartoffelkopf hat im Rahmen seiner „Ich bin Euer Herrscher-Tour“ in Salzburg vor begeisterten Bürgern gesprochen.

Mindestens zwei der zehn Zuhörer seien zudem keine Angestellten der Salzburger Volkspartei gewesen, versicherte die amtierende Eisfürstin Carolinger Edtstadler, die sich jedoch aus terminlichen Gründen entschuldigen ließ. Dass sie von aufmerksamen Salzburgern zur selben Zeit in einem Café gesehen wurde, wies sie als Fantasterei zurück.

„Meine Untertanen sind manchmal nicht die Ehrlichsten“, so Edtstadler. Auch dass sie drei Kaffees bestellen hätte müssen, bis sie es beim dritten geschafft habe, ihn vor dem ersten Schluck nicht versehentlich anzusehen und damit einzufrieren, sei frei erfunden.

„Ich bin sehr geübt, im Kaffee trinken. Zu behaupten ich hätte drei Versuche gebraucht, ist eine boshafte Unterstellung! Es waren nur zwei Versuche und den ersten Kaffee, den eingefrorenen, habe ich auch nicht zurückgehen lassen sondern im Anschluss als Kaffee-Eis genossen. Nichts wird verschwendet“, versichert die Edtstadler.

Warum mit einer Tradition brechen?

Von alle dem bekam Christian Stocker jedoch nichts mit, nicht nur nicht, weil er sich rund 600 Meter weiter am Residenzplatz aufhielt sondern insbesondere deswegen, weil er die wohl mitreißendste Ansprache seiner Karriere hielt.

„Wenn sie mich fragen, wo ich unser Land in fünf Jahren sehe, dann muss ich sagen, dass ich ein düsteres Bild vor Augen habe“, hatte Stocker begonnen. Doch nicht er und seine Regierung seien der Grund dafür, sondern fremde Mächte, multiple Krisen und nicht zuletzt die FPÖ Regierung, die ihm höchstwahrscheinlich nachfolgen werde.

„Niemand kann erwarten, dass sich die Wirtschaft erholt, wenn eine solche Regierung droht. Und das ist etwas, das mich betrübt“, so Stocker. Denn nichts läge ihm mehr am Herzen, als dass sich Österreich, unser aller Heimat, auch weiterhin im festen Griff der ÖVP befinden solle.

„Warum jetzt mit einer jahrzehntealten Tradition brechen?“, fragte Stocker in die Menge. acht der zehn begeisterten Zuseher kannte er nicht, daher fokussierte er seinen Blick auf seine beiden Kabinettsmitarbeiter.

Der aufmerksame Blick, die vor Begeisterung weit aufgerissenen Augen, das stille Zunicken, als Bestätigung seiner Aussagen – all das rührte Stocker zu Tränen, die er sich behäbig mit seinen Pratzen von den Wangen wischte.

„Die Journalisten machen es sich leicht“, rief Stocker. Und: „Sie nehmen die Position der Perfektion ein und glauben, über mich urteilen zu können!“ Dabei sei es der Journalismus, der die Hauptschuld am Umfragetief der Regierung zu tragen habe.

„Wir haben gesehen, dass das schon auch ein bisschen ein Verrat ist“, klagte Stocker an. Denn immerhin sei die ÖVP in den letzten Jahren sehr spendabel gewesen und könne sich nun durchaus erwarten, dass sich das eine oder andere Blatt revanchieren würde.

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„Sie (die Journalisten, Anm.) sollen sich ruhig ein Beispiel am Falter nehmen, der weiß was sich gehört. Natürlich kann man einmal in zehn Jahren auch ein bisschen kritisch sein über jene, die einen finanziell unterstützen; wenn es denn sein muss. Aber alles darüber hinausgehende ist schon sehr unprofessionell“, so der ehemalige Wr. Neustädter Vizebürgermeister.

Am meisten störe ihn, wenn ihm Journalisten ungehörige Fragen stellten, wie etwa weshalb die Regierung denn nicht in die Gänge komme, wie weit es noch zu den Neuwahlen sei oder was er denn gegen die Inflation unternehmen wolle.

„Was diese Fragen sollen, das kann ich genauso wenig wissen, wie ich die Antworten kenne. Ich bin nicht Gott, wissen Sie? Was ich spreche, wird nicht einfach wahr.“

Im Gegenteil, so Stocker, denn in althergebrachter ÖVP Tradition pflege er aus Prinzip nur zu sagen, was unwahr sei oder gewiss unwahr werde.

„Und weshalb“, so der ÖVP-Chef „gehen Journalisten eigentlich davon aus, dass ich etwas gegen die Inflation unternehmen wollen würde? Nach den letzten Jahren immer noch nicht zu verstehen, worum es der Volkspartei geht, lässt schon auf verminderte kognitive Fähigkeiten schließen.“

Für alle ein Selfie und einen Stempel

Zum Abschluss der Stocker Rede erhielt jeder der zehn Besucher ein Selfie mit dem Parteichef, das augenblicklich auf allen Social Media Kanälen gepostet werden sollte sowie einen Stempel ins Ausflugsbuch, mit dem 50 Prozent der vor Ort verbrachten Zeit als Arbeitszeit eingereicht werden konnten.

„Das ist schon eine Sache, die man wissen muss, die Partei schaut auf ihre Familie“, sagte Marcus Schmiehafink, BSc. von der Salzburger Volkspartei und selbstverständlich ÖAAB Mitglied, wie sich nicht nur am stolz getragenen Namensschild ablesen sondern auch anhand der Aussprache und angesichts der verwirrten Blicks erkannt werden konnte.

Rund zehn Minuten nach dem Ende der vierstündigen Ansprache ließ sich doch auch noch die Landeshauptfrau blicken, posierte ebenfalls für obligatorische Selfies und sammelte acht der zehn Ausflugsbücher ein, um sie höchstpersönlich an ihre Assistentin zu übergeben, die sich dann mit der Personalabteilung in Verbindung setzen würde.

Zufrieden lächelnd stieg Christian Stocker in seine Limousine und ließ sich vor dem Sonnenuntergang davonfahren. „Denn je länger die Tage, desto länger das Leben!“

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