„Es ist nicht Disneyland!“

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Nachdem Kopenhagen Wien nicht nur 2025, was schon als Frechheit bezeichnet werden darf, sondern auch 2026 und damit zum zweiten Mal in Folge auf Platz zwei der lebenswertesten Städte weltweit verwiesen hat, sieht das Wiener Kollektiv für Stadtverschönerung und Lebensfreude nur noch einen Ausweg: Eine umfassende Exkursion nach Dänemark.

„Es kann nicht sein, dass eine Stadt, die außer Hippie-Kommune, Hafen und Meerjungfrau genaugenommen nichts zu bieten hat, unser schönes Wien mit seinem Riesenrad und Prater hinter sich lässt“, echauffiert sich Till Rotschopf, Co-Vorsitzender des Stadtverschönerungs- und Lebensfreude Kollektivs. Gemeinsam mit den 274 anderen Vorsitzenden plant Rotschopf nun, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

„Wenn es der Politik nicht gelingt, das Ansehen unserer Stadt global zu verteidigen und allen klarzumachen, dass es für Manager nirgendwo schöner ist, als bei uns, dann fällt diese Aufgabe eben auf den steuerfinanzierten Teil der Zivilgesellschaft zurück, der Welt laut und klar zu vermitteln, dass es überhaupt keine Meerjungfrauen gibt. Und überhaupt: Wofür hält sich dieses Kopenhagen? Für Disneyland? Ich muss alle, die das glauben enttäuschen: Kopenhagen ist nicht Disneyland!“, so Rotschopf während eines Pressestatements vor Barbara Tòth vom Falter, die als einzige „Journalistin“ zur Konferenz erschienen war, eigener Aussage nach, da sie einen guten Riecher für die wichtigen Themen habe.

Eine Exkursion soll es nun richten

Der Vorstand des Kollektivs (deckungsgleich mit der Vollversammlung, Anm.) habe sich, so Rotschopf, einstimmig darauf verständigt, eine steuerfinanzierte Exkursion nach Dänemark zu unternehmen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.

„Und von dieser Hippie-Kommune Christiania ganz im speziellen“, so Florian Siebenshisse, Co-Vorsitzender des Wiener Stadtverschönerungs- und Lebensfreude Kollektivs. Immerhin sei es schon längst im Interesse des Kollektivs, ganz Wien zu einem Christiania umwandeln zu können. Das Stellen von Förderungsanträgen sei immerhin eine Demütigung sondergleichen, die nicht mehr länger toleriert werden dürfe.

Sabine Armfülle, Co-Vorsitzende des Wiener Stadtverschönerungs- und Lebensfreude Kollektivs, verrät am Rande der Pressekonferenz noch ein weiteres Detail des kollektivistischen Plans, den ersten Platz für Wien zurückzuholen: Selbstverständlich wolle man sich nicht damit begnügen, positive Aspekte in Kopenhagen zu kopieren, sondern liebäugle durchaus auch mit dem Export so manch Wiener Tradition nach Kopenhagen.

„Wir haben bereits mit unseren Freunden von der Antifaschistischen Aktion, dem Schwarzen Block und den Freien Radikalen gesprochen. Ich möchte nicht zu viel sagen, aber wir werden auf unserer Reise nach Kopenhagen nicht alleine sein“, verriet Armfülle.

Es gehe jedoch keinesfalls darum, fremde Städte in Schutt und Asche zu legen, stellte Wiebke Unterschlau klar, ihres Zeichens 27-jährige Austauschstudentin aus Baden Württemberg, Katzenbesitzerin, im Intimbereich tätowiert, Single, doch nicht auf der Suche nach einer Beziehung sondern lediglich nach unverbindlichen Dates und Co-Vorsitzende des Wiener Stadtverschönerungs- und Lebensfreude Kollektivs, wie auf ihrem digitalen Namensschild zu lesen war. Sie sei zwar kein Freund digitaler Identitäten, so Unterschlau, doch all diese wesentlichen Fakten zu ihrer Person hätten kaum auf ein herkömmliches Namensschild gepasst.

Der Katalog für die Antifaschisten

„Gemeinsam mit unseren Freunden werden wir einige Tage in der Stadt verbringen und genau Acht darauf geben, ob sich nicht etwa rechtsextreme Dinge finden werden, die umgestaltet werden müssen“, so Unterschlau.

Speziell für diese Exkursion habe das Kollektiv auch den üblichen Katalog faschistischer und rechtsextremer Zeichen, Farben, Symbole, Zahlen, Wetterlagen, Gefühle, vermittelter Gefühle, Speisen sowie Hautfarben aktualisiert und an alle Mitreisenden verteilt.

„Einfärbig knallige Fassaden haben zum Beispiel nun wirklich nichts im Stadtbild zu suchen“, erklärte Siebenshisse, der sich wieder an seinen Kolleginnen vorbeigedrängt und am Rednerpult positioniert hatte. Und: „Das ist Ausdruck des Imperialismus, denn schon im antiken Römischen Reich gab es so etwas und das wünschen wir uns wohl alle nicht zurück!“

Außerdem könne ein wacher Geist nicht weiter dulden, dass Fantasiewesen als Götzen verehrt würden.

„Die Meerjungfrau muss verhüllt werden“, so Siebenshisse, denn diese Ausgeburt der Wissenschaftsleugnung abzureißen, das sei doch ein Unterfangen, das mehr Vorbereitungszeit und eventuell größere technische Hilfsmittel benötigen würde. Und man müsse ja nicht unbedingt übertreiben.

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